Kochende Kapitäne und schwimmende Märkte

Im vietnamesischen Kitesurf-Mekka Mui Ne konnte ich Kitesurf-Unterricht nehmen und Ina sich beim Yoga verbiegen. Die Nachmittage haben wir am Strand in der Sonne liegend verbracht oder haben in den Wellen gebadet. Nach fünf Tagen fuhren wir also gut gebräunt und mit neuer Energie weiter nach Ho Chi Minh City, der mit 8.2 Millionen Einwohnern größten Stadt in Vietnam. Ho Chi Minh scheint etwas westlicher geprägt zu sein als Hanoi und die Straßen sind breiter, wodurch es sich weitläufiger anfühlt. Wir blieben jedoch nur für zwei Tage, weil wir ins Mekongdelta weiterreisen wollten. Ursprünglich hatten wir vor, eine Tagestour von Ho Chi Minh aus zu buchen, stellten aber fest, dass diese sehr teuer sind und aufgrund von Zeitmangel etwas stressig sein können. Daher entschieden wir uns, mit dem Bus nach Can Tho zu fahren und dort für ein paar Nächte in einem Gasthaus zu bleiben. Can Tho ist die größte Stadt im Mekongdelta und ist ein guter Ausgangspunkt für Rundfahrten auf dem Mekong. Unser Gasthaus in Can Tho war etwas abenteuerlich und eine nette Abwechslung zum Standard-Hostel. Es bestand aus mehreren kleinen Bambus-Bungalows, die zwar etwas heruntergekommen, aber in einem bewohnbaren Zustand waren. Da die Anlage ausserhalb der Stadt im Grünen gelegen war, fühlte es sich ein bisschen an als wären wir im Dschungel.

Bambus-Hütten Bambus-Hütten Bambus-Hütten Bambus-Hütten Bambus-Hütten

Eine Mekongfahrt konnten wir direkt über das Gasthaus buchen und so ging es direkt am ersten Morgen um 6 Uhr los, um pünktlich auf dem schwimmenden Markt zu sein. Unser 23-jähriger Guide, Dan, holte uns ab und es stellte sich heraus, dass der Koch des Gasthauses auch der Kapitän unseres Ausflugsboots war. Dan war sehr nett und konnte uns einige interessante Dinge über das Leben am Mekong und Vietnam im Allgemeinen erzählen. Er scheint ein sehr fleißiger und zielstrebiger Mensch zu sein und plant bald sein eigenes Gasthaus zu eröffnen. Er benötige dafür etwa 20.000 $ Kapital, welches er zum Teil von seiner Familie bekommen könne. Sein Gasthaus werde nur 6 $ pro Nacht kosten, erzählte er stolz und Gewinne werde er nur über Touren erzielen, welche die Gäste bei ihm buchen könnten. Dieses Konzept scheinen in Südostasien sehr viele Hostels und Gasthäuser zu haben und viele Touristen fühlen sich bedrängt von Rezeptionisten, die ihnen Touren verkaufen wollen. Doch Dan erklärte, dass er seine Touren auf eine angenehme Art anbieten wolle, ohne seine Gäste zu drängen. Wir fanden ihn sehr sympatisch und glauben, dass er Erfolg haben wird. Der erste schwimmende Markt den er uns zeigte, war ein Großmarkt, auf dem Händler ihre Waren kaufen, um sie dann später auf kleineren, lokalen Märkten weiterzuverkaufen. Dort kauften wir uns eine Nudelsuppe zum Frühstück und schauten von unserem Boot aus dem morgendlichen Treiben zu.

Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt Schwimmender Markt

Später besuchten wir noch einen kleineren lokalen schwimmenden Markt, eine Reisnudel-Fabrik und ein großes buddhistisches Kloster. Die Rundfahrt war wirklich schön und es war beeindruckend zu sehen, wie die Menschen am Mekong leben.

Mönchstum Mönchstum Mönchstum Reisnudel-Fabrik Kleiner schwimmender Markt

Dies war der letzte Abschnitt unseres 30-tägigen Vietnam-Aufenthalts und wir sind froh, dass wir dieses schöne und interessante Land besucht haben. Die Größe und die daraus resultierende landschaftliche und kulturelle Vielfalt erfordern eigentlich noch viel mehr Zeit und wir können uns gut vorstellen nochmal wiederzukommen. Was die vietnamesische Küche angeht, hatten wir sehr hohe Erwartungen. Einige Gerichte kannten wir bereits aus vietnamesischen Restaurants in London. Dazu zählen unter anderem Pho (Nudelsuppe), Bun Cha (gegrilltes Schweinefleisch mit Nudeln) oder Banh Mi (vietnamesisches Sandwich). Diese Gerichte gab es auch hier und zum Teil waren sie auch sehr lecker. Allerdings war die Qualität natürlich von Restaurant zu Restaurant unterschiedlich. So konnte die Pho in einem Restaurant überteuert sein und langweilig schmecken und eine Ecke weiter gab es zum halben Preis eine leckere Alternative. Zudem war es gerade in Hanoi nicht immer einfach ein Restaurant zu finden, das auch vegetarische Gerichte für Ina anbot. Diese Umstände führten in Kombination mit unseren hohen Erwartungen zwangsläufig zu ein paar enttäuschenden Mahlzeiten. Außerdem müssen wir zugeben, dass wir zwischendurch auch gerne mal einen deutschen Döner oder eine Pizza gegessen haben. Nichtsdestotrotz haben wir so manche vietnamesische Gaumenschmeichelei sehr genossen.

Joghurt-Kaffee Vietnamesisches Gericht Vietnamesisches Gericht

Wie die Menschen in Vietnam leben und welche Sorgen oder Probleme sie haben, konnten wir nur oberflächlich mitbekommen. Doch im Gespräch mit einigen Vietnamesen und anderen Reisenden in Vietnam wurde uns klar, dass die vietnamesische Regierung zum einen sehr korrupt ist und zum anderen die Meinungsfreiheit in Vietnam sehr eingeschränkt ist. Genau wie damals in der DDR, muss man in Vietnam sehr vorsichtig sein, was man in der Öffentlichkeit sagt oder tut. Regierungskritische Journalisten werden zu Gefängnisstrafen verurteilt und auch Touristen wird geraten, sich nicht mit Einheimischen über politische Themen zu unterhalten. Wir können schwer einschätzen wie groß die Opposition in der Bevölkerung ist und sind gespannt, wie sich Vietnam in Zukunft weiterentwickeln wird.




Share this story