Hanoi und die heilige Schildkröte

Ein konstanter Fluss von Mopeds strömt durch die kleinen Straßen und uns dröhnen die Ohren von den Hupen und dem Knattern der Motoren. Hanoi ist wirklich eine intensive Stadt. Es ist heiß und stickig und überall riecht es nach frittiertem, gegrilltem oder gedünstetem Essen. Hier scheint sich alles auf der Straße abzuspielen. Unzählige kleine Straßenrestaurants bieten auf den Bürgersteigen ihre Speisen an. Die Gastronomen kochen hier auf kleinen Bunsenbrennern oder Holzkohlegrills und servieren direkt an der Straße. Gegessen wird auf winzigen Hockern an winzigen Tischen. Eine Mahlzeit kostet hier im Schnitt 30.000 Dong (ca. 1,25 €).

Frau die Blumen verkauft Frau verarbeitet Fisch Ein Strassenrestaurant

Händler wandern mit Fahrrädern voller Waren wie Blumen, Früchten, Gemüse oder gar Klopapier durch die Gassen und verkaufen diese an Restaurants, Geschäfte oder Passanten. In den ersten Tagen unserer Reise haben wir schon eine ganze Menge gesehen und erlebt. So sind wir um den Hoàn Kiếm See spaziert und haben den Ngọc Sơn Tempel besichtigt, der auf einer kleinen Insel im See steht. Eine bekannte Sage erzählt von dem vietnamesischen König Lê Lợi, dem auf dem See der Schildkrötengott Kim Qui erschienen sei um ihm ein magisches Schwert zu geben. Mit diesem besiegte er dann die Chinesen im Krieg um Vietnams Unabhängigkeit. Nach Ende des Krieges gab er das Schwert dankend der mächtigen Riesenkröte zurück. Auch heute leben tatsächlich noch ein paar ziemlich dicke Schildkröten in dem See und ein ausgestopftes Exemplar konnten wir im Tempel bewundern. Obwohl nur wenige hundert Meter weiter die Verkehrshölle tobt, war es dort angenehm ruhig und entspannt. Ein schöner Ruhepunkt im Zentrum der Stadt.

Mensch betet vor Ngọc Sơn Tempel

Am Nachmittag haben wir uns das französische Viertel angeschaut. Wie der Name schon verrät, stehen hier viele Gebäude, die die Franzosen zur Kolonialzeit Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts errichtet haben. Besonders schön ist das opulente Opernhaus.

Hanoi Opernhaus

Das Museum für die nationale Geschichte Vietnams befindet sich ebenfalls in einem schönen Kolonialgebäude. Ausgestellt sind dort sowohl Fundstücke aus prähistorischen Zeiten als auch verschiedene Dokumente, Gegenstände und Fotos, die den langen und unwegsamen Pfad Vietnams in die Unabhängigkeit belegen. Ho Chi Minh spielte in diesem Prozess bekanntermaßen die zentrale Rolle. Er wird hier entsprechend als Ikone verehrt und gilt als großes Vorbild. Das wurde uns besonders beim beeindruckenden Anblick des Ho Chi Minh Mausoleums bewusst. Hunderte Menschen stehen hier jeden Tag Schlange, um seinen einbalsamierten Körper zu sehen und einmal im Jahr wird dieser sogar zur Wartung nach Russland geschickt. Auch das Haus, in dem Ho Chi Minh gelebt hat, konnten wir besichtigen. Da er aus symbolischen Gründen nicht in dem prunkvollen Präsidentenpalast leben wollte, residierte er in einem kleinen Pfahlbau im Park daneben. Diese einfache Behausung besteht im Grunde aus zwei kleinen Räumen. In dem einen steht ein Bett und ein Schreibtisch. In dem anderen befindet sich nur ein Schreibtisch. Doch gerade wegen dieser Einfachheit und wegen des umliegenden Parks gefiel uns die Casa Ho sehr gut.

Das Ho Chi Minh Mausoleum Das Parlament in Hanoi Der Präsidentenpalast in Hanoi

Am Abend stellten wir bei einem Spaziergang um den Hoàn Kiếm See fest, dass hier samstags ein Nachtmarkt stattfindet und die Straße, die um den See führt, größtenteils gesperrt ist. Es herrschte eine angenehm entspannte Atmosphäre, die ganz im Gegensatz zu dem Verkehrschaos stand, welches dort tagsüber tobte.

Hoan Kiem Lake bei Nacht

Heute abend schauen wir uns eine Akrobatikaufführung in der Oper an und übermorgen geht es weiter nach Cat Ba, einer kleinen Insel vor der Nordküste Vietnams. Wir werden also schon bald mehr zu berichten haben.




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