Wandern im Shan-Staat

Myanmar ist ein unglaublich vielfältiges Land. Sowohl landschaftlich als auch kulturell unterscheiden sich die verschiedenen Regionen zum Teil sehr stark. Neben Burmesisch werden sieben weitere Sprachen gesprochen. Unser nächstes Ziel war Hsipaw, eine Stadt in den Bergen im Nordwesten. Dieser Teil Myanmars heißt Shan-Staat und ist eine von 16 Verwaltungseinheiten. Das Volk der Shan macht ein Viertel der burmesischen Bevölkerung aus und der Shan-Staat setzt sich im Grunde aus mehreren ehemaligen Shan-Königreichen zusammen, welche von der burmesischen Regierung aber seit 1962 nicht mehr anerkannt werden. Nach einem kurzen Stopp in Mandalay, wo wir meinen Geburtstag am Pool gefeiert hatten, fuhren wir also nach Hsipaw, in die Hauptstadt des gleichnamigen Shan-Staats. Jeder Shan-Bezirk hat seine eigene Kultur und die Geschichte der Shan lässt sich bis 650 v. Chr. zurückverfolgen. Hsipaw wurde bis 1959 von einem Prinzen regiert. Der letzte Prinz, Sao Kya Seng, war verheiratet mit einer Österreicherin, welche er beim Studium in den USA kennengelernt hatte. Ihm gefiel seine Rolle als Feudalherrscher überhaupt nicht und er setzte sich für Demokratie und Föderalismus ein. Er brach mit vielen alten Traditionen und modernisierte die landwirtschaftlichen Methoden. Im Jahr 1959 dankte er ab, vertrat sein Volk aber weiterhin als gewählter Vertreter im burmesischen Parlament. Im Jahre 1962 wurde Sau Kya Seng in Folge eines von General Ne Win angezettelten Staatsstreichs aufgrund seiner politischen Ansichten verhaftet und ist nie wieder aufgetaucht. Seine Frau, Inge Eberhard, schrieb ein Buch über ihre Hochzeit und ihr Leben in Hsipaw (Twilight Over Burma: My Life as a Shan Princess). Sie wusste bevor sie in Yangon ankam nicht, dass sie einen Shan-Prinzen geheiratet hatte. Sie wurde also unverhofft zur Prinzessin in einem Land, in dem sie nie zuvor gewesen war. Das Buch ist sehr interessant und lesenswert.

Wasserbüffel

Wir buchten eine geführte Wandertour durch die Berge um Hsipaw. Unser 21-jähriger Guide, Naypai, holte uns früh morgens ab und wir wanderten mit ihm zu seinem Heimatdorf in den Bergen. Sieben Stunden lang marschierten wir auf schmalen Dschungelpfaden vorbei an Teeplantagen und über kleine Bäche hinweg bergauf und bergab bis wir sehr erschöpft und müde aber glücklich unser Ziel erreichten. Mit Naypai hatten wir einen wirklich tollen Guide erwischt. Er war sehr nett und erzählte uns gerne und viel aus seinem Leben und über die Umgebung und die Kultur der Menschen. Wir lernten, dass er dem Palaung-Volk angehört, einer ethnischen Minderheit, welche verteilt im Shan-Staat aber auch in Nordthailand und China lebt. Während der Tourismussaison arbeitet er als Guide und außerhalb der Saison hilft er in seinem Dorf bei der Feldarbeit und beim Teepflücken. Er erzählte uns auch von einem kriegerischen Konflikt zwischen einer organisierten Gruppe von Palaung-Kämpfern und der Burmesischen Regierung, sowie der Shan-Armee. Es war schwer zu verstehen, wer genau gegen wen kämpft und warum. Scheinbar gibt es separatistische Bewegungen in den Völkern der Planung und der Shan. Diese bekämpfen sich zum Teil mit der burmesischen Armee und untereinander. Dabei spielt allerdings auch Opium eine große Rolle. Offenbar geht die Palaung-Armee gegen den Anbau von Schlafmohn vor, welcher letzten Endes für die Produktion von Opium und Heroin eingesetzt wird. Diese illegale Drogenindustrie wird offenbar von korrupten Generälen der burmesischen Armee, sowie den lokalen Rebellen betrieben. Ungefähr 25% des weltweiten Opiums kommt aus Myanmar und wird dort größtenteils im Shan-Staat produziert.

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In Naypais Dorf schauten wir uns das buddhistische Kloster an, welches als Versammlungsort dient und trafen dort viele nette Dorfbewohner. Abends veranstaltete die Dorfjugend einen Karaokeabend und hielt damit leider das ganze Dorf bis vier Uhr morgens wach. Somit bekamen wir nur sehr wenig Schlaf und traten etwas verschlafen den Rückweg nach Hsipaw an.

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