Schauriges aus George Town

"Kennst du Ratchadaphisek?" fragte mich der alte, halbnackte Mann. "Das ist gut für Sex. Da kann man toll ficken." fügte er hinzu. Ich überlegte angestrengt, wie ich die Unterhaltung schnellstmöglich beenden könnte und erwiderte nur "Aha, nee kenne ich nicht." Falsche Antwort. Begeistert gab mir der Alte eine genauere Beschreibung seines Lieblingsstraßenstrichs in Bangkok. Ich fragte mich, wie der Niederländer in seinen Siebzigern so schnell von normalem Smalltalk zu seinen sexuellen Vorlieben und unangenehmen politischen Ansichten gekommen war. Entspannt saß er in seinen Shorts vor mir. Sein langes, dünnes graues Haar fiel ihm auf die nackten Schultern und umrahmte sein fahles und ausgemergeltes Gesicht. Gesund sah er nicht gerade aus. Doch das Bier schien im zu schmecken und sein Mitteilungsbedürfnis noch zu verstärken. Als er anfing, zu erläutern, warum er aus Prinzip nicht arbeitete, entschuldigten wir uns, um etwas essen zu gehen. Wir waren erst mittags in dem Gasthaus auf Penang in der Nähe von George Town angekommen. Der Gastgeber war sehr nett und das Haus mit Küche, Wohnzimmer und schönem Garten machte auch einen guten Eindruck. Leider stellte sich heraus, dass der alte, redselige Mann noch einige Wochen bleiben würde. Deshalb sahen wir davon ab, unseren Aufenthalt dort zu verlängern. Stattdessen entschieden wir uns in ein Hostel direkt in George Town umzuziehen. Die Stadt ist bekannt für das große und gute Essensangebot in sogenannten Hawker Stalls. Dies sind große Hallen mit Tischen und Stühlen in der Mitte. Rund herum sind viele kleine Essensstände, die für wenig Geld Snacks oder auch ganze Menüs anbieten. Ein Großteil des Angebots sind chinesische Spezialitäten, hinzu kommt aber auch indisches, arabisches, vietnamesisches oder sogar westliches Essen. Westliches Essen bedeutet in diesem Falle allerdings nur frittiertes Fleisch oder Fisch mit Pommes. Interessant ist die Stadt zudem, da hier auf relativ kleiner Fläche die Kulturen und die Architektur der verschiedenen Bewohnergruppen mit unterschiedlichen Migrationshintergründen und Religionen vertreten sind. So stehen Kirchen neben Hindu Tempeln und auf dem Gelände des buddhistischen Tempels hört man den Muizin der benachbarten Moschee zum Gebet aufrufen. Die Innenstadt ist ein UNESCO Kulturerbe und man kann sich verschiedene alte Läden traditioneller Handwerkskünste anschauen. So führte uns unsere Erkundungstour in eine alte Druckerei und wir kamen mit dem Besitzer, einem Inder ins Gespräch. Wir unterhielten uns unter anderem über die Flüchtlingskrise in Europa und die malaysische Situation, da uns das Zusammenleben hier recht friedlich und gelungen vorkam. Dabei stellte sich heraus, dass hier die Minderheiten teilweise eher islamkritisch sind, da sie aufgrund der islamischen Mehrheit Angst vor einer “Islamisierung” haben. Hinzu kommt eine seit den Siebziger Jahren vorangetriebenen Entwicklung von liberaler zu orthodox islamischer Religionsausübung und dass der Islam Staatsreligion ist und es somit keine richtige Religionsfreiheit gibt. Nur über ein Sharia-Gericht ist es den als muslimisch geborenen Malaien möglich, aus dem Islam auszutreten.

Buchbinder in George Town Buddhistischer Tempel bei George Town Buddhistischer Tempel bei George Town Buddhistischer Tempel bei George Town Buddhistischer Tempel bei George Town

Seit der Benennung George Towns zum Weltkulturerbe, hat sich auch eine Street Art Szene gebildet, die ebenfalls eine der touristischen Attraktionen ist und zum ausgiebigen Fotografieren einlädt.

Alte Frau in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town Strassenkunst in George Town




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