Empfang beim König nur mit Handtuch

Nach 3 Tagen in Siem Reap und auf den Tempelanlagen von Angkor fuhren wir etwas erschöpft weiter nach Battambang, die zweitgrößte Stadt Kambodschas. Wir hatten gelesen, dass Battambang ein angenehmes Städtchen sein sollte, das zum verweilen und entspannen einlädt. Allerdings wirkte sie auf uns eher wie eine normale mittelgroße Stadt - laut, hektisch und etwas grau. Dazu kamen viele aufdringliche Tuk-Tuk-Fahrer, die versuchten, uns eine Rundfahrt anzudrehen. Ein tolles Erlebnis war allerdings der bekannte Zirkus von Battambang. An unserem letzten Tag dort entschieden wir spontan, uns die Show anzuschauen. Da der Zirkus etwas außerhalb der Stadt gelegen ist, war schon der Weg dorthin ein netter Spaziergang. Die Sonne ging gerade unter und es herrschte eine ruhige Abendstimmung. Nun, da die Hitze des Tages nachließ, saßen viele Menschen vor ihren Häusern und Kinder spielten auf den Straßen. Viele von ihnen grüßten uns mit einem Lächeln und einem freundlichen 'Hello'. Scheinbar lernen sie von ihren Eltern oder anderen Kindern, dass man Touristen so grüßt und freuen sich unheimlich wenn man zurück grüßt. Das war uns schon in Vietnam angenehm aufgefallen. Der Zirkus ist ein Projekt der gemeinnützigen Organisation Phare Ponleu Selpak (Der Glanz der Künste), die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben von Kindern und Jugendlichen und deren Familien zu erleichtern und zu verbessern. Dies tut sie mittels künstlerisch orientierter Schulen, Bildungsprogrammen und sozialer Unterstützung. Vor der Vorstellung hatten wir Gelegenheit uns einige Aquarellgemälde von den jungen Künstlern anzuschauen und waren beeindruckt von der technischen Umsetzung. Die Zirkusshow selbst war atemberaubend. Fünf junge Menschen, vermutlich zwischen 20 und 25 Jahren alt, verzauberten anderthalb Stunden lang mit beeindruckender Akrobatik das Publikum - einem Mix aus Einheimischen und Touristen.

Zirkusakrobatik

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus weiter über Phnom Penh nach Kampot. Wir hatten gehört, dass dieser kleine Ort am Fluss Praek Tuek Chhu eine Oase der Ruhe sei und diesmal wurden wir nicht enttäuscht. Dort verbrachten wir viel Zeit in der Hängematte oder im Cafe am Fluss sitzend.

Zirkusakrobatik

Katze in Kampot Der Fluss bei Kampot Der Fluss bei Kampot

Bei einer Radtour flussaufwärts stießen wir auf eine grosse, professionell gebaute Seilbahn, die über den Fluss gespannt war. Für 5$ konnte man dort einen Bambus-Turm erklimmen und sich auf die andere Seite des Flusses schwingen. Motiviert von einer Gruppe Studenten aus Singapur liessen wir uns auf das Abenteuer ein und sogar Ina stürzte sich unter den anfeuernden Rufen der Studenten in die Tiefe.

Zu Weihnachten fuhren wir dann zurück nach Phnom Penh. Wie gewohnt fuhr der Busfahrer mit einem berauschenden Tempo auf der mit Schlaglöchern gespickten Straße und schreckte dabei vor keinem noch so waghalsigen Überholmanöver zurück. So kamen wir pünktlich und erleichtert in Phnom Penh an und probierten eine neue Tuk-Tuk-App aus, um der lästigen Preisverhandlung zu entgehen. Die App funktionierte tatsächlich sehr gut und wir bezahlten trotz Trinkgeld einen Bruchteil von dem was die Fahrer sonst von uns verlangten.

Am Tag vor Weihnachten beschäftigten wir uns im Tuol-Sleng-Genozid-Museum noch etwas mehr mit der traurigen jüngeren Vergangenheit Kambodschas. Das Museum besteht aus einer Ausstellung in den Räumen eines ehemaligen Exekutions-Lagers der Roten Khmer. Wie bereits in unserem letzten Artikel erwähnt, beging das Terrorregime der Khmer Rouge von 1975 bis 1979 einen grausamen Genozid. Man schätzt, dass diesem zwischen 2 und 3 Millionen Menschen zum Opfer fielen, was gut 20% der Gesamtbevölkerung Kambodschas entsprach. Im Tuol-Sleng-Gefängnis, welches zuvor eine Schule war, erzwangen die Roten Khmer Geständnisse von ihren Gefangenen mit Hilfe grausamer Foltermethoden. Sie verfolgten eine wahnwitzige Ideologie, welche vorsah, alle Städte aufzulösen und die gesamte Bevölkerung zu Bauern zu machen. Dazu enteigneten sie alle Menschen und schlossen Schulen, Krankenhäuser und Fabriken. Auch die Währung und das Finanzwesen schafften sie ab und verboten jegliche Religion. Die Roten Khmer betrachteten verschiedene Bevölkerungsgruppen als Staatsfeinde. Dazu zählten Mitglieder der vorherigen kambodschanischen Regierung, gebildete Menschen und Intellektuelle, ethnische Minderheiten und Ausländer sowie mutmaßliche wirtschaftliche Saboteure. Diese wurden der Sabotage beschuldigt und in Lager wie das Toul-Sleng-Gefängnis gebracht. Dort zwang man sie durch Folter zu Geständnissen und richtete sie dann hin. Das Museum vermittelte ein detailliertes und dementsprechend bedrückendes Bild von den Gräueltaten, die sich dort abgespielt haben. Über die gut umgesetzte Audio-Tour erfuhren wir von verschiedenen Einzelschicksalen und lernten mehr über die Bürokratie des Terrors.

Abends probierten wir eines der Straßenrestaurants in der Nähe unseres Hotels aus. Die Stimmung schien fröhlich und ausgelassen zu sein und als wir uns an einen der Tische setzten, wurden wir sofort sehr freundlich vom Besitzer begrüßt. Er erklärte uns stolz, dass einer seiner Freunde heute Geburtstag in seinem Restaurant feiere. Das erklärte die gute Stimmung und auch die laute Technomusik. Während wir aßen, kam er mehrmals vorbei, um sich mit uns zu unterhalten und mit uns anzustossen. In Kambodscha stößt man beim Trinken sehr viel an und es ist im Grunde nicht erlaubt, alleine zu trinken ohne anzustoßen. Auch die Menschen an unserem Nachbartisch waren sehr nett und wir kamen schnell mit ihnen ins Gespräch natürlich nicht ohne uns dabei nach jedem Satz zuzuprosten.

Goldener Drache in Phnom Penh

Zum Abschluss schauten wir uns noch den königlichen Palast an. Dabei bestätigte sich die vom interstellaren Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis gepredigte Behauptung, dass ein Handtuch in vielen Situationen von hohem Nutzen sein kann. So konnte Ina ihr Handtuch kurzerhand in einen Rock umfunktionieren, um ihre Beine zu bedecken. Das war für den Palastbesuch obligatorisch.

Mönche in Phnom Penh Palast in Phnom Penh Palast in Phnom Penh Palast in Phnom Penh Palast in Phnom Penh Palast in Phnom Penh Palast in Phnom Penh




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